Die Chancenkarte für Deutschland und ihr Punktesystem
Die Chancenkarte nach Paragraf 20a AufenthG verlangt sechs Punkte, erlaubt 20 Wochenstunden und gilt ein Jahr. Die Bundesagentur prüft erst die Verlängerung.
Die Chancenkarte nach Paragraf 20a des Aufenthaltsgesetzes ist eine Aufenthaltserlaubnis zur Suche nach einer Erwerbstätigkeit oder nach Anerkennungsmaßnahmen. Wer keine anerkannte Fachkraft ist, braucht mindestens sechs Punkte aus dem Katalog des Paragrafen 20b. Erlaubt sind durchschnittlich 20 Wochenstunden Arbeit und Probebeschäftigungen von je zwei Wochen.
Für Arbeitgeber ist das eine ungewohnte Konstruktion. Die Chancenkarte kommt ohne Arbeitsvertrag, ohne Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit und ohne vorherige Stellenzusage aus. Die Bewerberin oder der Bewerber reist eigenständig ein und sucht im Land. Der Betrieb kommt erst ins Spiel, wenn aus der Suche eine Beschäftigung wird, und genau an dieser Nahtstelle entstehen die Fehler.
Die Eintrittsschwelle und der Punktekatalog
Paragraf 20a verlangt zunächst drei Dinge unabhängig von den Punkten: einen gesicherten Lebensunterhalt, eine der drei anerkannten Qualifikationsformen und Sprachkenntnisse. Als Qualifikation zählt ein staatlich anerkannter ausländischer Berufsabschluss mit einer Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren, ein staatlich anerkannter ausländischer Hochschulabschluss oder ein von einer deutschen Auslandshandelskammer erteilter Abschluss. Sprachlich genügen einfache deutsche Sprachkenntnisse oder Englisch auf dem Niveau B2.
Wer bereits als Fachkraft anerkannt ist, erhält die Karte ohne Punktprüfung. Alle anderen zählen nach der Anlage zum Aufenthaltsgesetz zusammen. Die Mindestpunktzahl beträgt sechs.
| Merkmal nach Paragraf 20b Absatz 1 | Punkte |
|---|---|
| Anerkennungsstelle hat Anpassungs- oder Ausgleichsmaßnahmen festgestellt | 4 |
| Gute deutsche Sprachkenntnisse | 3 |
| Ausreichende deutsche Sprachkenntnisse | 2 |
| Hinreichende deutsche Sprachkenntnisse | 1 |
| Englische Sprachkenntnisse auf dem Niveau C1 | 1 |
| Mindestens fünf Jahre einschlägige Berufserfahrung in den letzten sieben Jahren | 3 |
| Mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung in den letzten fünf Jahren | 2 |
| Qualifikation in einer Berufsgruppe nach Paragraf 18g Absatz 1 | 1 |
| Alter bis 35 Jahre bei Antragstellung | 2 |
| Alter über 35 und bis 40 Jahre bei Antragstellung | 1 |
| Mindestens sechs Monate rechtmäßiger Voraufenthalt in den letzten fünf Jahren | 1 |
| Ehegatte oder eingetragener Lebenspartner beantragt ebenfalls eine Chancenkarte | 1 |
Die Punkte für die Sprache schließen einander aus. Wer für gute Kenntnisse drei Punkte bekommt, bekommt nicht zusätzlich zwei für ausreichende. Dasselbe gilt für die Berufserfahrung: fünf Jahre bringen drei Punkte, zwei Jahre bringen zwei, und beides zusammen gibt es nicht. Ein Elektriker aus Nepal mit siebenjähriger Praxis, Englisch auf C1, Alter 33 und einer Teilanerkennung kommt damit auf zehn Punkte und liegt deutlich über der Schwelle. Ein 42-jähriger Bewerber ohne Anerkennungsbescheid und ohne Deutschkenntnisse bleibt selbst mit langer Berufserfahrung häufig bei vier Punkten und damit unter der Grenze.
Ein Jahr suchen, zwei Jahre anschließen
Die Such-Chancenkarte wird für höchstens ein Jahr erteilt. Danach ist eine Folge-Chancenkarte von bis zu zwei Jahren möglich, und hier kommt die Bundesagentur für Arbeit erstmals ins Verfahren: Die Verlängerung setzt einen Arbeitsvertrag und die Zustimmung der Bundesagentur voraus. Eine weitere Verlängerung sieht das Gesetz nicht vor. Nach spätestens drei Jahren muss die Person in einen regulären Aufenthaltstitel gewechselt sein, in der Regel nach Paragraf 18a oder nach Paragraf 18g.
Während der Suche sind durchschnittlich höchstens 20 Wochenstunden erlaubt, dazu Probebeschäftigungen von jeweils bis zu zwei Wochen, die qualifiziert, auf eine Ausbildung gerichtet oder für eine Anerkennungsmaßnahme geeignet sein müssen. Der gesetzliche Mindestlohn gilt auch hier: 13,90 Euro brutto je Zeitstunde ab dem 1. Januar 2026 und 14,60 Euro ab dem 1. Januar 2027, so der Zoll zum Mindestlohngesetz. Zwanzig Wochenstunden zu 13,90 Euro ergeben rund 1.200 Euro brutto im Monat, was den Lebensunterhalt allein selten deckt und erklärt, warum die Suchphase in der Praxis kürzer ausfällt als das Jahr, das im Titel steht.
Was der Betrieb tatsächlich prüfen muss
Für den Arbeitgeber ist die Chancenkarte kein Einstellungsweg, sondern ein Bewerberstatus. Drei Punkte entscheiden über die Einstellung.
Erstens die Restlaufzeit. Eine Karte mit vier Monaten Restgültigkeit trägt keine Einarbeitung von sechs Monaten. Der Wechsel in den Arbeitstitel muss beantragt sein, bevor die Karte abläuft, und die Zustimmung der Bundesagentur für die Folge-Chancenkarte ist kein Automatismus.
Zweitens die Anerkennung. Vier der zwölf Punkte stammen aus dem Merkmal, dass eine Anerkennungsstelle Anpassungsmaßnahmen festgestellt hat. Dieses Merkmal beschreibt eine Teilanerkennung, keine volle Gleichwertigkeit. Der Weg von dort zur Fachkraft nach Paragraf 18a läuft über das Verfahren nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz mit seiner Entscheidungsfrist von drei Monaten ab vollständigen Unterlagen. Die Einzelheiten stehen in der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen.
Drittens die 20-Stunden-Grenze. Sie gilt im Durchschnitt, nicht als Wochenkappung, und sie gilt auch dann, wenn der Betrieb dringend mehr Stunden bräuchte. Eine Überschreitung ist eine Beschäftigung ohne die erforderliche Erlaubnis und fällt damit unter die Bußgeldvorschriften, die für den Arbeitgeber bis zu 500.000 Euro reichen.
Für gewerblich-technische Einstellungen bleibt die Chancenkarte ein Nebenweg. Der Hauptweg führt über die Genehmigungskette, die die Einstellung einer Fachkraft aus einem Drittstaat beschreibt, und für akademische Profile über die Blaue Karte EU mit ihren Gehaltsschwellen für 2026. Die Chancenkarte lohnt sich dort, wo ein Betrieb Bewerber im Land treffen und probeweise einsetzen will, bevor er eine Anerkennung finanziert. Welche Unterlagen dafür vor der Einreise geklärt sein sollten, steht auf der Seite für Arbeitgeber.
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